Employer Branding – Walk The Talk!

© Alciro Theodoro da Silva

faktor unterstützt als Medienpartner die offiziell am 24. Januar 2013 gestartete Workshopreihe ‚TOPAS – Top Arbeitgeber Südniedersachsen‘. Die regionalen Akteure, u.a. IHK und Wirtschaftsförderung, wollen im Arbeitgebermarketing neue Standards für die Region schaffen. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels, der seit Ewigkeiten als Drohszenario über Südniedersachsen hängt, sinkender Zahlen an Nachwuchskräften sowie Abwanderungstendenzen qualifizierter Arbeitnehmer ist es zunehmend wichtiger für Unternehmen, sich in diesem Bereich strategisch aufzustellen.

Wichtig ist dabei aus meiner Sicht, dass der Prozess von innen nach außen abläuft, also das Unternehmen intern arbeitet, Erfolge erzielt und dann in die Außenwerbung tritt – und eben nicht umgekehrt. Beim Thema Employer Branding sind viele Unternehmen versucht, sich in Hochglanzbroschüren positiver darzustellen, als die Wirklichkeit ist. Erfolgreich sind die Firmen, die eine hohe Übereinstimmung von innen und außen erreichen, also wo gehalten wird, was versprochen wurde. Die potenziellen Mitarbeiter kann man im Bewerbungsgespräch vielleicht noch blenden, aber spätestens im Alttag bröckelt dann die Fassade. Und dann ist der Schaden noch höher. Der eingearbeitete Mitarbeiter verlässt das Unternehmen schnell, die teure Suche beginnt von neuem, und – das Schlimmste – die schlechte Erfahrung spricht sich schnell herum. Dank Bewertungsportalen wie Kununu wird die negative Erfahrung öffentlich gemacht und schreckt andere Bewerber wahrscheinlich ab.

Meine Botschaft an die Unternehmen: Kümmert Euch ernsthaft um das Thema, aber macht es nachhaltig und authentisch. Walk The Talk – lasst den Worten Taten folgen! Für die Bewerber gilt: Nutzt Eure neue Macht und hinterfragt die Hochglanzwelt!

Lernen von Ottmar Hitzfeld

Am Donnerstag voriger Woche war Erfolgstrainer Ottmar Hitzfeld zu Gast bei der 1.faktor-Premium-Lounge in der Göttinger Lokhalle. Über 150 Gäste verfolgten das Gespräch, das von Handelsblatt-Redakteur Mark C. Schneider und Sartorius-Chef Joachim Kreuzburg moderiert wurde. Hitzfeld nahm die Gäste und mich mit seiner Art ein. Er war völlig frei von Starallüren und erzählte viele spannende Dinge aus seinem Trainerleben.

Beeindruckt hat mich besonders seine Menschlichkeit. „Achtung und Respekt vor Menschen ist für mich sehr wichtig.“ Hitzfeld erzählte, dass es für ihn sehr schwer ist, Spieler zu kritisieren. Er will dabei nicht beleidigen und auch keinen Schuldigen suchen. „Man darf kein Vertrauen zerstören. Alles, was man sagt, muss man selbst vorleben.“ Er schützt seine Spieler in der Öffentlichkeit und kritisiert intern. Und er ist von seinem Vorgehen überzeugt: „Wenn man viel Vertrauen schenkt, wird man belohnt.“ Für mich ist Ottmar Hitzfeld ein Vorbild, wie wir mit unseren Mitmenschen, Mitarbeitern und Kunden umgehen sollten. Für mich ist er das Gegenmodell zu Trainern wie Felix Magath, die mit Angst führen und ihre Spieler öffentlich bloß stellen. Das hat mit Respekt zu tun. Und bei Ottmar Hitzfeld heißt es umgekehrt deshalb nicht, nachlässig und inkonsequent zu sein. Er nimmt seine Spieler in die Verantwortung. Als Oliver Kahn eine Weihnachtsfeier des FC Bayern München vorzeitig verließ, verhängte Hitzfeld eine drakonische Strafe. 25.000 Euro musste der Torwart-Titan zahlen, weil sein Trainer ihm diesen Affront nicht durchgehen lassen wollte. Abschreckung für den Rest der Mannschaft. Das gehört auch zum Thema Respekt.

Durch seine Menschlichkeit ist Ottmar Hitzfeld für mich ein Vorbild. Ich finde es häufig schwierig, Erkenntnisse aus dem Sport auf die Wirtschaft zu übertragen, aber hier gelingt es perfekt. Und Hitzfeld eignet sich mit diesem Menschenbild ideal als Vorbild für Unternehmer – und besonders für den Nachwuchs.

Inspirierender Hitzfeld

Auf der 1.faktor-Premium-Lounge spricht Fußball-Erfolgstrainer Ottmar Hitzfeld über das Thema „Erfolgreich Teams führen“. Wir sind sehr stolz, dass wir diesen Sympathieträger als Gast für die Premiere verpflichten konnten. So können die Unternehmen der Region dieses Event nutzen, um zu Jahresende mit überschaubaren Aufwand und Kosten ein eigenes Event für Mitarbeiter und Kunden zu schaffen.

Hitzfeld ist der beste Bundesliga- Trainer aller Zeiten – das haben die Bild.de-Leser im Frühjahr 2012 entschieden. Er ist einer von nur drei Trainern in Europa, welche die Champions League mit zwei verschiedenen Vereinen gewinnen konnten: Borussia Dortmund und Bayern München. Er wurde außerdem einmal Weltpokalsieger, sieben Mal deutscher Meister und drei Mal DFB-Pokalsieger.

Die Besucher erfahren von Ottmar Hitzfeld, der heute Nationaltrainer der Schweiz ist, aus erster Hand, wie man Mitarbeiter führt, wie man Teams formt und motiviert und wie sie erfolgreicher mit Druck umgehen. Dabei geht es an dem Abend um die Übertragbarkeit vom Sport in die Wirtschaft. Hitzfeld erzählt, wie man Rückschläge bewältigt. So wird er berichten, wie er seine Mannschaft in der Halbzeitpause mitgerissen hat, wenn sie zurücklag, um das Spiel noch zu drehen. Der 63-Jährige spricht über seinen Burnout und was er daraus gelernt hat. Darüber hinaus kann jeder Gast einen neuen Gedanken mit nach Hause nehmen, der das eigene Geschäft total umkrempelt.

Ottmar Hitzfeld eröffnet die neue Veranstaltungsreihe am 22. November 2012 um 18 Uhr in der Lokhalle Göttingen. Geht es bei der faktor-Business-Lounge vor allem stark um das Netzwerken und Geschäfte machen, steht bei der faktor-Premium-Lounge im Vordergrund, Impulse für den beruflichen Alltag mitzunehmen sowie Mitarbeiter, Geschäftspartner oder Kunden einzuladen.

Die faktor-Premium-Lounge bietet aber vor allem die Gelegenheit, das Event für die eigenen Zwecke zu nutzen. Anstatt zum x. Mal eine traditionelle Weihnachtsfeier mit Kegeln oder Gänseessen zu organisieren, können Unternehmen ihre Mitarbeiter oder gute Kunden einladen, um für ein erfolgreiches Jahr zu danken und die weitere Zusammenarbeit auf den Weg zu bringen.

Die Veranstaltung kann auch privat genutzt werden: Zur Nachwuchsförderung gibt es ein besonderes Angebot für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre.

Für Erwachsene ist die faktor-Premium-Lounge in drei verschiedene Kategorien unterteilt: Lounge-Tickets, Business- Tickets und Premium-Tickets. So kann jeder Besucher die Karte kaufen, die seinen Wünschen entspricht. Bei den Business-Tickets sind z.B. Essen und Getränke inklusive, und im Premium-Bereich erhalten die Gäste eine DVD des Abends und ein exklusives Fotoshooting mit Ottmar Hitzfeld.

Die Gäste profitieren bei dieser Großveranstaltung von unserer Event-Erfahrung aus über sieben Jahren: Wir haben rund 20 Veranstaltungen mit insgesamt über 2.000 Gästen und prominenten Rednern wie Mirko Slomka oder Dirk Bauermann erfolgreich durchgeführt. Und auch das Rahmenprogramm entspricht wieder unserem exklusiven Anspruch: Die Moderation des Abends übernehmen Mark C. Schneider, Redakteur beim Handelsblatt und Joachim Kreuzburg, Vorstandsvorsitzender der Sartorius AG. Musikalischer Höhepunkt ist Seven Up – der Göttinger A-Capella Klassiker seit 20 Jahren.

Ich verspreche den Teilnehmern, dass sie an diesem Abend etwas sehr Wertvolles mit nach Hause nehmen werden. In der Kundenansprache haben wir ein neues Mittel gewählt. In zwei kurzen Videos spreche ich die Kunden direkt an und erkläre, wie sie diesen Event-Höhepunkt für sich nutzen können: weitere Informationen zur 1.faktor-Premium-Lounge.

Die Jugend begeistern

Am Donnerstagabend war ich bei der Göttinger Firma Sycor eingeladen, um als Jurymitglied den Sieger im „Management Information Game“ (MIG) zu küren.

Das MIG ist ein einwöchiges Seminar und wird von Niedersachen Metall zusammen mit dem Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft und Sycor angeboten. Es bietet den Schülern aus dem 10. Jahrgang der Hainbergschule in Göttingen einen praktischen Einblick in die Wirtschaft.

Ich war ganz begeistert, wie sich junge Menschen im Alter von 14, 15 Jahren in einem für sie fremden Umfeld bewegen. Aufgabe war es, ein Produkt zu „verkaufen“ an die fiktive Einkaufsabteilung einer Elektronikmarktkette, zu der die anderen Jurymitglieder und ich gehörten. Die drei Gruppen mit jeweils fünf, sechs Schülern hinterließen dabei alle einen guten Eindruck. Vor allem der Teamgeist war vorbildlich. Es wird in einer Gruppe immer so sein, dass nicht alle die geborenen Verkäufer sind. Aber es gibt in einem Team für jeden Charakter und sein Talent Platz.

In meiner Zeit als Schüler gab es solch eine Gelegenheit, mal in die Praxis zu schnuppern, leider nicht.

In einer Zeit, wo wir über eine Rente reden, die nicht mehr für das Nötigste reichen wird, brauchen wir junge Menschen, die Verantwortung für ihr Leben übernehmen. Als Angestellte werden diese im Alter unter Armut leiden. Aus meiner Sicht ist es in unserer Gesellschaft zwingend notwendig, den Nachwuchs mit mehr Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge und sie vor allem zu mehr Selbständigkeit zu erziehen. Wir brauchen mehr Kinder und Jugendliche, die nicht Lehrer, Angestellte oder Beamte werden wollen. Wir brauchen Unternehmer, die ihr Leben aktiv gestalten wollen! Wichtig dabei: Unternehmersein ist für mich nicht auf die Firma begrenzt, sondern ganzheitlich zu sehen. Unternehmersein bedeutet Lebensstil und umfasst daher Beruf und Familie!

Wir brauchen in den Schulen mehr Praxisbezug. Und wir benötigen ein besseres Bild des Unternehmers in unserer Gesellschaft. Wir Unternehmer sind in der Mehrzahl keine raffgierigen Ausbeuter, sondern verantwortungsvolle und aktive Gestalter in diesem Land! Ich freue mich auf die nächste Unternehmergeneration und möchte als Vorbild helfen. Als Schüler konnte ich mir nämlich nicht vorstellen, Unternehmer zu werden. Dieses Berufsbild gab es schlicht einfach nicht. Es wird Zeit, dass wir das ändern!

Sich gesellschaftlich engagieren

Aus meiner Sicht gehört zum vorbildlichen Unternehmer auch, dass er sich gesellschaftlich engagiert. Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Bereich das jemand tut. Wichtig ist nur, die eigene Energie für etwas Übergreifendes, also auch für morgen, einzusetzen.

Ich sehe gerade etwas entstehen, was mich Stolz macht. Vor Jahren hatten wir die Idee, dass Göttingen wieder Filmstadt werden müsste und damit an die glorreichen Zeiten in den fünziger und sechziger Jahren anknüpft. Alle großen Stars der Zeit haben im „Hollywood an der Leine“ gedreht, z.B. Theo Lingen, Heinz Erhardt oder Grete Weiser.

Uns war natürlich von Anfang an klar, dass sich die Zeit nicht zurückdrehen lässt, aber gelegentlich ein Kinofilm müsste doch zu schaffen sein! Die Initiative, Göttingen zum Drehort für eine Film- und Fernsehproduktion zu machen, haben wir dann in der Herbstausgabe 2009 des faktor mit dem Artikel „Im Scheinwerferlicht“ gestartet.

Dann haben wir diesem Thema die 8. faktor-Business-Lounge, unsere Netzwerkveranstaltung, im inzwischen abgerissenen Sterntheater gewidmet. Mit Schauspieler Marek Erhardt war der perfekte Gast des Abends gefunden – schließlich spielen viele Szenen aus den Spielfilmen seines Großvaters Heinz in Göttingen. Und so entstand der Kontakt zu zwei Filminteressierten: nämlich Oliver Clark und Daniel Bernhard. Mit SurfCut erstellt Clark professionell Werbefilme, Imagefilme, Produkt- und Unternehmenspräsentationen. Clark und Bernhard, die schon länger ein Konzept zur Umsetzung eines Spielfilmprojektes in Göttingen entwickelten, nutzte unsere Veranstaltung zum Netzwerken. Auf einer von faktor organisierten Informations-Veranstaltung konnten die Filmemacher wenige Wochen später ihre Ideen vortragen und weitere interessante Kontakte knüpfen.

Seither haben Clark, Bernhard und ihre Mitstreiter viel Energie in das Projekt gesteckt, für die sie die Ehrenbürgerwürde der Stadt erhalten müssten. Der Film „Harder und die Göre“ wird derzeit gedreht. Bis zum Weihnachtsgeschäft soll der Film als DVD vorliegen und im Göttinger Cinemaxx sowie deutschlandweit in den Unikinos gezeigt werden.

Das Schöne an diesem Projekt ist, dass nicht drei oder vier große Partner aus der Wirtschaft (die es in Göttingen nicht gibt) das nötige Geld auf den Tisch gelegt haben, sondern dass sich ganz viele Menschen, Organisationen und Unternehmen mit Geld oder Sachleistungen engagieren. So verrückt die Idee am Anfang schien, so sehr wird sie gerade Wirklichkeit. „Harder und die Göre“ macht Mut, sich für unsere Gesellschaft einzusetzen und auch Unvorstellbares zu denken.

Übrigens soll der Film nicht der einzige bleiben: Mit dem ersten Projekt soll der Grundstein zum Start einer Serie von Kriminalfällen mit dem kauzigen Kommissar Harder und seiner Kollegin Bergmann gelegt sein. Ich drücke ganz fest die Daumen und engagiere mich gern weiter!

Kulturwandel in Unternehmen

In dieser Woche bin ich auf facebook zufällig auf eine gerade gestartete Initiative von Professor Gerald Hüther gestoßen, dem renommierten Göttinger Hirnforscher, die Unternehmer, Führungskräfte und Mitarbeiter inspiriert, einen Kulturwandel zu beginnen oder einen begonnenen Wandel noch bewusster zu gestalten. Gerald Hüther ist mit seinen Ansichten und unterschiedlichen Projekten ein Vorbild, alte Zöpfe abzuschneiden und menschlicher miteinander umzugehen. Die heutige Arbeitswelt macht viele Menschen krank – Hüther und sein Partner Sebastian Purps sind sich einig: „Wir müssen Grundlegendes verändern.“  Dazu zitieren sie Albert Schweitzer: „Das Heil der Welt liegt nicht in neuen Maßnahmen, sondern in einer anderen Gesinnung.“ Um einen Gesinnungswandel zu ermöglichen, bedürfe es eines Wandels der bisher in Unternehmen und Organisationen entstandenen Denk,- Organisations- und Beziehungskulturen. Menschen müssten die Gelegenheit haben, neue Erfahrungen zu machen, die positiver und bereichernder sind als die fest im Hirn verankerten, althergebrachten Handlungsmuster. Die Initiative präsentiert zukünftig auf ihrer Online-Plattform Unternehmen, denen bereits ein messbarer Kulturwandel gelungen ist.

Mir gefällt dieser Ansatz, unsere Gesinnung zu ändern und damit einen tiefgreifenden Wandel zu erreichen. Mit den bisherigen Methoden scheinen wir in einer Sackgasse angelangt zu sein. Probieren wir neue Wege. Gerade vorbildliche Unternehmen können hier eine Vorreiterrolle übernehmen und ihren Beitrag leisten, unsere Welt besser zu machen. Fangen wir an!

Zur Initiative: www.kulturwandel.org

Immer volle Pulle

Er hatte gestern Geburtstag – Olaf Feuerstein, Chef der Hotel-Freizeit-In-Firmengruppe, ist in meinen Augen ein „Verrückter“ im positiven Sinne. Zu ihm kam man auch mit ausgefallenen Ideen kommen. Das Wort „unmöglich“ scheint in seinem Wortschatz nicht zu existieren. Außerdem gefällt mir, dass der ehemals schlechte Schüler heute ein Selfmade-Unternehmer ist, dem nichts in den Schoß gelegt wurde. Einer der sprichwörtlich den Weg vom Tellerwäscher zum (Umsatz-)Millionär zurückgelegt hat. Für einen Beitrag im faktor („Bis zum letzten Tag volle Pulle!“) im Dezember 2008 hatte ich die Ehre, Teile dieser spannenden Biografie kennenzulernen, die ich hier auszugsweise wiedergebe.

Dass Olaf Feuerstein in Göttingen gelandet ist, ist seiner Kaltschnäuzigkeit zu verdanken. Der junge Hotelbetriebswirt liest im Sommer 1993 eine Stellenausschreibung des Freizeit In und ruft dort an, um zu fragen, wie er seine Bewerbungsunterlagen einreichen soll. Er telefoniert mit Gerhard Löb, dem damaligen Chef des Hotels Freizeit In, und sagt ihm, dass er in zwei Tagen sowieso in Göttingen sei. Für ein Gespräch stünde er nur an diesem Tag zur Verfügung, Löb akzeptiert. Zwei Tage später reicht Feuerstein die Bewerbung ein und hat noch am gleichen Tag ein Vorstellungsgespräch mit dem Chef. Kurios dabei: „Ich hatte mich als Letzter beworben und durfte mich als Erster vorstellen.“ Die Chemie zwischen den beiden stimmt, es folgen weitere Gespräche. Löb ruft nun eines Morgens bei Feuerstein an und sagt: „Sie können den Job haben!“ Der Wunschkandidat reagiert anders als erwartet. Statt in Begeisterung auszubrechen, antwortet er: „Rufen Sie mich heute Abend an, wenn es wichtig ist.“ Was war passiert?

Olaf Feuerstein hatte die ganze Nacht durchgearbeitet und war erst kurz vor dem Anruf ins Bett gegangen. Als ihn Löb anrief, befand er sich noch im Halbschlaf. Der Göttinger Hotelier lässt sich davon nicht abschrecken, die beiden werden sich einig. Glatt läuft es trotzdem nicht. Wieder ruft Löb an und fragt, wann er denn den Vertrag unterschrieben zurücksende. Er befürchtet, Feuerstein könnte es sich anders überlegt haben. Der will den Job, hat es aber nur vergessen.

Er hat alle Hände voll zu tun, will noch den alten Job zu Ende bringen. „Ich gebe bis zum letzten Tag volle Pulle“, erzählt er heute. Am 1.Oktober 1993 beginnt Olaf Feuerstein als Wirtschaftsdirektor im Hotel Freizeit In, 1995 wird er Hoteldirektor und zwei Jahre später geschäftsführender Gesellschafter – eine Bilderbuchkarriere. 2007 übernimmt er von Gerhard Löb die Mehrheit der Geschäftsanteile und ist nun Mehrheitsgesellschafter.

Dieser Karriereweg wurde ihm nicht in die Wiege gelegt – im Gegenteil: „Ich war ein fauler Hauptschüler“, erzählt er. Von Scham keine Spur. Offen und ehrlich geht er damit um, so wie man es von ihm gewohnt ist. „Ich habe es mir abgewöhnt, um den heißen Brei zu reden.“ Vom späteren Unternehmer Feuerstein, der das Freizeit In zu einem der Top-Tagungshotels in Deutschland macht, ist als Schüler in Cuxhaven noch nichts zu ahnen. Obwohl: „Ich hatte das ökonomische Prinzip verstanden, ohne es zu kennen“, sagt er augenzwinkernd. Er hätte es geschafft, mit möglichst wenig Aufwand, das Maximale herauszuholen. Die Basis ist also vorhanden, der Weg zum Erfolg allerdings holprig. Im Alter von neun Jahren kümmert er sich nach der Scheidung der Eltern viel um seine zwei Geschwister: „Da blieb einiges auf der Strecke“, erzählt er heute von dieser entbehrungsreichen Zeit.

Als Kind will Olaf Feuerstein Polizeikommissar werden; sein Klassenlehrer in der achten Klasse lacht ihn dafür aus. Der ahnt wohl, dass das Leben für ihn einen anderen Weg vorgesehen hat. Die Richtung ändert sich. Der schlechte Schüler belegt freiwillig ein Wahlpflichtfach und entdeckt seine „Liebe“: das Kochen. Nun sorgt er dafür, dass zu Hause etwas zum Essen auf dem Tisch steht. Und noch heute pflegt Feuerstein sein Hobby und zaubert für Familie und Freunde. „Man sagt mir nach, dass ich gut kochen kann“, erzählt er selbstbewusst, ohne zu kokettieren. Da er für die Ausbildung zum Koch mit seinen 15 Jahren noch zu jung ist, absolviert er erst mal ein Praktikum in der Spülküche. Zwei Sommer lang arbeitet Feuerstein schließlich als Tellerwäscher für fünf DM die Stunde – viel Geld damals. „Ich war der ,king in town‘“, erinnert er sich zurück. Auf der Hauswirtschaftsschule macht er seinen Realschulabschluss, und zwei Jahre später beginnt er – endlich – eine Ausbildung zum Koch. Er verkürzt die Ausbildungszeit auf zwei Jahre.

Schon in dieser Phase entdeckt Feuerstein einen „kleinen Tropfen Unternehmerblut“ in sich. Zunächst arbeitet er als Beifahrer eines Brötchenservices. Als der Inhaber in Rente geht, fragt Feuerstein ihn, ob er den Laden haben kann. Da er mit seinen 17 Jahren noch die Erlaubnis der Mutter für die Gewerbeanmeldung braucht, bequatscht er sie zwei Wochen lang, um ihr schließlich eine Unterschrift „abzuluchsen“. „Ich bin hartnäckig wie ein Terrier“, sagt er heute von sich selbst. Man könne alles zum Ziel führen, ist er überzeugt. Eine Eigenschaft, die ihn ganz nach vorn gebracht hat. Zum Start seiner Unternehmertätigkeit hat er sieben Mitarbeiter, darunter er selbst und seine zwei Geschwister. In den Höchstzeiten habe er 4.500 Brötchen verkauft – am Tag. Dafür arbeitet er hart, insgesamt 14 Stunden am Stück. Nach einer Weile verkauft er das Unternehmen für „’n Appel und ’n Ei“. Nach einem Fehlversuch studiert er an einer Hotelfachschule bei Hannover. „Das war eine sensationelle Zeit“, sagt er lachend. Diese bezeichnet er als Wendepunkt in seinem Leben. „Ich wurde ein Streber“, erzählt er, „dafür war ich vorher nicht bekannt.“ Er legt ein paar Schippen drauf.

„Ich war plötzlich heiß aufs Lernen.“ Als er dann noch Französisch und Spanisch belegt, halten ihn die Kommilitonen für verrückt. Das stört ihn nicht. Das sollte auch nicht das letzte Mal sein, dass er das über sich hört. Ein Unternehmensberater sagt ihm Jahre später mal: „Sie sind doch nicht ganz normal.“ Feuerstein gibt ihm Recht: „Ich bin ein Verrückter!“

„Ich bin ein unruhiger Geist“, sagt Olaf Feuerstein von sich selbst. Manchmal springt er zu Hause vom Sofa auf, erzählt er, und seine Frau denkt dann, dass er Schokolade holt. Stattdessen hatte er wieder nur eine Idee und wollte sie aufschreiben. Wenn Feuerstein das unbändige Gefühl hat, etwas Gutes zu verpassen, dann macht er es. Er ist begeisterungsfähig. Wer je mit ihm zusammengearbeitet hat, kann das bestätigen. Packt ihn eine Idee, geht er schnell an die Umsetzung wie beim WM-Quartier, als er es mit anderen „Verrückten“ schafft, die mexikanische Nationalmannschaft nach Göttingen zu holen. „Wir erfinden uns permanent neu“, nennt er das Credo seines Hauses. „Ich habe nie Langeweile“, sagt er schließlich – und man glaubt es ihm.

Auf der Liste der Dinge, die er noch erledigen will in seinem Leben, stehen zwei Punkte: Er träumt davon, ein Management-Buch zu schreiben. Und er, der sich selbst als „kleines Laufwunder“ bezeichnet, will am New-York-Marathon teilnehmen. Wer ihn kennt, weiß, dass er auf diese Ziele wie ein „Terrier“ hinarbeiten wird, der sich auch von Rückschlägen wie der Pleite mit dem Gourmet-Restaurant „planea“ nicht abbringen lässt. Man wird noch viel von dem einst faulen Hauptschüler hören – mit voller Pulle bis zum Ende.