Greif nach den Sternen!

Zum Artikel im UNIfaktor 2/2015

In meinen Vorträgen vor Schülern und Studierenden merke ich immer wieder, dass junge Menschen zu selten nach den Sternen greifen und in der Regel die ausgetretenen Pfade ihrer Eltern und ihres Umfelds beschreiten, das irgendwie begrenzt erscheint. Was ich damit meine? Berufswünsche wie Lehrer („Dann habe ich was Sicheres“), Steuerberater („Ich konnte schon immer gut mit Zahlen umgehen“) oder Polizist („Ich sorge gern für Ruhe und Ordnung“) sind aus meiner Sicht vor allem ein Anzeichen von fehlender Vorstellungskraft. Von der Ausgangslage könnten diese jungen Menschen auch  Astronaut auf Mars-Mission oder zumindest Grundschullehrer in einem kleinen afrikanischen Dorf werden, um die Welt besser zu machen. Mir ist schon klar, dass diese Haltung Ergebnis von Schule und Gesellschaft ist. Kleine Kinder können sich noch vorstellen, alles zu werden; im Laufe der Zeit werden sie leider realistischer – oder: phantasieloser, was ihr eigenes Leben angeht. Was wolltest Du als Kind werden? Sei mal ganz ehrlich! Und nenn jetzt bitte nicht die weichgespülte Vernunftversion! Was willst Du heute werden? Was ist auf dem Weg verloren gegangen? Woran liegt es? 

night-927168_1920Bitte verstehe mich nicht falsch: Es spricht nichts dagegen, Lehrer zu werden oder Steuerberater. Problematisch wird es nur, wenn Du es aus den falschen Motiven wirst („Mein Vater und mein Opa waren auch schon Steuerberater!“) oder dem mangelnden Vertrauen in Deine Fähigkeiten. Ich finde es sehr faszinierend, dass Studien zeigen, dass wir Menschen uns heillos überschätzen, was wir in kurzer Zeit erreichen können („Schlank in 14 Tagen“) und wie wir uns derart unterschätzen, was wir in Jahren oder gar Jahrzehnten erreichen können. Mein Rat: Greif nach den Sternen – das Andere kann ja Plan B sein.

Bei diesem Griff hör nicht auf Dein Umfeld, das Dir gern sagt, was Du alles nicht kannst und – im schlimmsten Fall – dass Du nichts Wert bist. Ich bin tief davon überzeugt, dass jeder Mensch etwas kann oder hat, was ihn einzigartig macht. Er/sie muss nur herausfinden, was das ist und beharrlich diesen Weg gehen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wir eigentlich ein ganz gutes Gefühl dafür haben, wir wir können und was nicht. Wir müssen es nur zulassen. Ein gewisser Realismus schadet bei der Umsetzung natürlich nicht. Wenn mehrfach der eigene Gesang als Krach bezeichnet wird, ist Popmusik vielleicht nicht das richtige Umfeld – und Heavy Metal eventuell das passendere Betätigungsfeld. Für mich ist Unternehmertum eine wirkliche  Alternative. Hier ist der Freiheitsgrad extrem hoch, verbunden mit der großen Chance, auch finanziell frei zu werden. 

Häufig höre ich den Einwand, dass jemand gar nicht die Zeit hat, sich zu überlegen, was er eigentlich machen will. Das finde ich dumm. Das ist wie der Mensch, der die Uhr anhält, um Zeit zu sparen. Wir haben nur dieses eine Leben, das – Stand heute – zeitlich begrenzt ist. Je klarer wir unser wirkliches Leben leben, das unseren Fähigkeiten und Wünschen entspricht, desto zufriedener werden wir sein. Ungerichtet und ungeplant vor sich hin zu leben, ist da kein guter Ratgeber! Dabei ist es völlig in Ordnung, in Phasen gar nicht zu wissen, was das eigentlich ist, was man machen will. Aber es ist unerlässlich dranzubleiben, diese Frage zu beantworten. Und am Ende, wenn du mit 87 Jahren auf einer Parkbank sitzt und auf Dein Leben zurückblickst, wird nicht viel bleiben: Wirst Du darüber nachdenken, was Du für ein langweiliges Leben als Steuerberater geführt hast, oder wirst Du Dich daran erinnern, welche Chancen Dir das Leben geboten hat? Die Erfahrung älterer Menschen zeigt, dass diese in der Regel nicht das bereuen, was sie getan haben, sondern das, was sie nicht getan haben. In diesem Sinne: Greif nach den Stern! Und wenn der Arm ganz lang wird beim Strecken bist Du auf einem guten Weg…

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